H. P. Lovecraft

Der amerikanische Schriftsteller H. P. Lovecraft wurde 1890 in Rode Island geboren. Im Alter von nur 47 Jahren verstarb er an Darmkrebs, nicht ohne bahnbrechende Lebenswerke für die Nachwelt zu hinterlassen. H. P. Lovecraft, dessen bürgerlicher Name Howard Phillips Lovecraft lautete, gilt als weltweit einflussreichster Autor in den Bereichen Fantasy und Horror. Eine direkt Zuordnung zu einem Genre ist schwierig, da Lovecrafts Werke sowohl phantastischer, wie auch gruseliger Natur sind und Aspekte beider literarischer Sparten miteinander verbinden. Genau dieser Faktor hat für seine globale Anerkennung gesorgt und ihn bei Horror- wie auch bei Fantasy Fans zu einem zeitlos beliebten Autor werden lassen. Kenner bezeichnen sein Prosawerk als übernatürlichen Horror, der Gänsehaut verursacht und eisige Schauer über den Rücken gleiten lässt. Aber auch seine späteren Werke sind für Horrorfans ein absolutes Must Have und fallen durch ihre genreübergreifenden Inhalte und den fesselnden Schreibstil auf.

Klassische Genregrenzen wurden von H. P. Lovecraft gemieden, ja, sie erscheinen im Hinblick auf die Werke des Autors beinahe überflüssig und altbacken. Selbst schreibt der Autor:

„Die älteste und stärkste Emotion des Menschen ist Furcht, und die älteste und stärkste Form der Furcht ist die Angst vor dem Unbekannten. Diese Tatsachen wird kaum ein Psychologe bestreiten, und sie begründen ein für allemal Echtheit und Rang der übernatürlichen Horrorgeschichte als literarische Form.“

Und damit hat er bis in die heutige, moderne und alles erklärende Zeit recht behalten.

Das Schaffen Lovecrafts lässt sich grob in drei Genres einteilen. Er schrieb traditionellen Horror, Geschichten aus der Traumwelt und aus dem mythischen Spektrum. Aber auch Essays und Gedichte prägten seinen Weg und sind nicht weniger phantastischer Natur, wobei auch politische und gesellschaftliche, sowie äußerst kritische Themen von ihm verarbeitet und in seinem eigenen Stil umgesetzt wurden.

Lovecrafts Schaffen in der schaurigen Welt des Horrors und der Furcht vor dem Unbekannten wurde zum einen von Edgar Allen Poe, wie von den eigenen Albträumen des Autors inspiriert. Dabei bedient er sich der typischen Schauplätze wie Friedhöfen, verlassenen Häusern oder diffusen Orten. „Die Berge des Wahnsinns“ und „Das gemiedene Haus“ sind nur zwei der zahlreichen Romane, die keine Fragen zu H.P. Lovecrafts düsteren Phantasie offenlassen. Aber auch „Der Alchemist“ und „Der boshafte Geistliche“ dringen tief in die Urängste des Lesers ein und berühren die dunkelsten Bereiche der Seele. Kurzgeschichten oder längere Romane, absolut authentisch verfasste Albträume und Briefe, sowie der einzigartige Schreibstil des Autors haben ihn zu einer Ikone in seinem Metier werden lassen. Viele Schriftsteller der Neuzeit orientieren sich an den Werken Lovecrafts, wobei diese unerreicht bleiben und trotz vieler Anstrengungen nicht „kopiert“ werden können. Der Autor verfügte über eine sehr breit gefächerte und dunkle Phantasie, die tief in seinem Inneren wohnte und über die Schrift nach außen kam. Dabei lebte er beinahe zurückgezogen und war niemand, der zahlreiche Gesellschaft schätzte oder sich stetig mit anderen Menschen umgeben musste. Am liebsten war Lovecraft allein, sodass nach nicht allzu langer Zeit auch seine Ehe zerbrach. Die letzten Jahre verbrachte er wieder im Haus seiner Tanten, wo er am produktivsten war und die meisten Bücher verfasste.

Neben seinen eigenen Schriften war er als Ghostwriter und Lektor für andere Autoren tätig. Zu Lebzeiten war sein Erfolg er gering, doch nach seinem Tod gewannen die Werke des Künstlers mit der schwarzen Seele ganz neue Bedeutung. Lovecraft sah sich selbst als Aristokrat, für den Ehre und sein persönlicher Ehrenkodex im Vordergrund standen. Auch wenn er mit seiner schaurigen Literatur kaum ausreichend Geld zum Leben verdiente, hielt er an der Authentizität seiner Worte fest und weigerte sich strikt, Groschenromane oder mit unehrlichen Emotionen ausgestattete Geschichten zu verfassen. Genau diese Sturheit hat Lovecraft zu einem unvergessenen und noch heute berühmten Autor gemacht, von dem man behaupten kann, dass er das Horror-Genre nachhaltig geprägt und auf neue Wege geführt hat. So absurd und von Grund auf böse seine Geschichten auch erscheinen, sie lesen sich so realistisch, dass sie jeden Tag direkt im eigenen Haus oder in der nächsten Straße nach der Kreuzung hinter dem Haus, auf dem Stadtfriedhof oder im nahe gelegenen Wald geschehen können. „Der Fall Charles Dexter Ward“ und „Berge des Wahnsinns“ gehören zu den letzten Werken des Autors und sind gleichzeitig die beiden besten Geschichten, die Lovecraft je veröffentlicht hat.